Aktuelle Exponate

Ein Auswahl unserer aktuellen Exponate


  • Steinbockhornschale

    Seit der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts wurde das Horn des in den Salzburger Bergen erlegten Steinwildes verarbeitet. Man schrieb dem Material heilende Kräfte zu. Daher entstanden unter den Händen lokaler Handwerksmeister nicht nur Gegenstände des täglichen Gebrauchs wie die Steinbockhornschale des Bergbau- und Gotikmuseum Leogang, sondern unter anderem auch Fingerringe für Menschen, die an Gicht litten.

    Die massenhafte Verarbeitung von Horn führte allerdings auch zur starken Dezimierung der ostalpinen Steinböcke am Beginn des 18. Jahrhunderts. Im Zillertal etwa werden Steinböcke in schriftlichen Dokumenten der Zeit 1706 das letzte Mal erwähnt.

    Erst um die Mitte des 18. Jahrhundert ging es mit der Zahl der Steinböcke in den Salzburger Bergen wieder bergauf. Etwa um dieselbe Zeit werden Hornschnitzer in Dokumenten der Zeit als in Salzburg ansässig erwähnt: etwa Lorentz Härmler als „Steinbockhornschnitzer in der Gstätten“ oder die Bildhauer Leopold Ehegasser und Joseph Glarer.


  • Flügelaltar Sammlung Frey

    Ein besonders wertvolles Exponat im Gotikraum des Bergbau- und Gotimuseums Leogang ist der Flügelaltar aus der Sammlung Frey. Er wurde vom Freundeskreis des Museums 2008 als erster Teil der Sammlung Frey erworben und an das Museum verliehen. Carl von Frey (1826-1896) war ein erfolgreicher Geschäftsmann und trug in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die größte private Gotiksammlung Salzburgs zusammen.

    Der Altar ist vermutlich um 1520 in Niederbayern entstanden. Schrein, Predella und Altarflügel sind aus Fichtenholz, die Skulpturen aus Lindenholz. Die Altarflügel sind beidseitig bemalt. Die Innenseite zeigt die Heilige Barbara und die Heilige Margarethe, jeweils auf goldenem Brokathintergrund. Die Außenseite zeigt die Verkündigung an Maria. Darunter sind auf der Predella Jesus mit Segensgestus und Weltkugel sowie die 12 Apostel zu erkennen.

    Das Retabel, der Schrein, ist in fast originalem Zustand erhalten geblieben. Auf dem Figurenpodest in der Mitte steht erhöht Maria mit dem Jesuskind, zu ihren Füßen die Mondsichel. Zur linken und rechten Seite der Gottesmutter stehen die Heilige Maria Magdalena und die Heilige Katharina.

    Maria entspricht dem Typus der apokalyptischen Madonna, die goldenen Strahlen auf der Rückwand des Schreins symbolisieren die Sonne. Mit der rechten Hand trägt Maria das lebhafte, mit gekreuzten Beinen aufrecht sitzende Jesuskind, das beide Arme der Mutter entgegenstreckt. In der rechten Hand hält die Madonna eine Frucht, nach der das Kind zu greifen versucht.

    Das Gewand der Mutter besteht aus einem unterhalb der Brust gerafften goldenen Kleid mit rundem Ausschnitt und goldenen Ärmeln. Über die Schultern ist ein goldener Mantelumhang gelegt, dessen blaues Innenfutter durch die kunstvolle Draperie, den Faltenwurf, sichtbar wird.

    Stegfalten fallen in langen Bahnen in Richtung Sockel. Das ovale, ebenmäßige Gesicht mit der hohen Stirn wird von offenen Haarsträhnen umrahmt, welche lose über die Schulter fallen. Auf dem Kopf trägt die Madonna eine Blattkrone.

    Die Heilige Katharina, auf dem Ehrenplatz zur Rechten der Gottesmutter, hält in der linken Hand das Schwert, zu Füßen liegt als Symbol ihres Martyriums ein zerbrochenes Rad. In der rechten Hand präsentiert ein offenes Buch präsentiert. Auf dem Kopf trägt die Heilige Katharina eine einfache goldene Krone, die üppigen Falten ihres goldenen Mantels, wie durch einen Windstoß durcheinander gewirbelt, geben den Blick auf das grüne Innenfutter frei.

    Zur Linken der Gottesmutter steht die Heilige Maria Magdalena. Sie trägt einen sorgfältig über ihre Schultern gelegten Schleier, mit beiden Händen hält sie ein nach oben spitz zulaufendes, goldenes Salbungsgefäß.

    Der Flügelaltar aus der Sammlung Frey war anlässlich des 40jährigen Thronjubiläums von Kaiser Franz Joseph I. 1888 in Salzburg ausgestellt.


  • Löwenmadonna

    Der Typus der Madonna, die auf einem Löwen steht oder thront, ist sehr selten. Vermutlich entstanden die ersten dieser Bildwerke in der Frühzeit Kaiser Karls IV. in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts.

    Die im Bergbau- und Gotikmuseum Leogang ausgestellte Skulptur gehört zu jenem exklusiven Kreis der Salzburger Löwenmadonnen, welchem weltweit lediglich sechs weitere Figuren angehören: eine im Museum Bachschmiede in Wals bei Salzburg, zwei im Bayerischen Nationalmuseum München, eine in Hamburger Privatbesitz, eine im Bode-Museum Berlin und eine sechste Löwenmadonna im Louvre in Paris.

    Die Löwenmadonna des Bergbau- und Gotikmuseums Leogang ist um 1370 entstanden und aus Zirbenholz gearbeitet. Die Beschreibung der Löwenmadonna im Bergbau- und Gotikmuseum Leogang stimmt im Grunde mit der älteren Löwenmadonna aus dem Bayerischen Nationalmuseum München überein. Mit der Krone und dem heute fehlenden Zepter in der linken Hand stellt sie die Himmelskönigin dar. Der herabfallende Schleier, der über der Brust zusammengeknöpft scheint, bedeckt nur den Scheitel, die Locken an beiden Seiten des Gesichts bleiben frei.

    Ein archaisches Lächeln belebt ihr Gesicht ebenso wie jenes des Jesuskindes. Den Körper durchzieht ein starker S-Schwung. Das Jesuskind, in eine Windel gehüllt, sitzt frontal auf dem rechten Arm der Mutter.

    Auf der niedrigen Sockelplatte duckt sich der Löwe. Sein Rachen ist geöffnet ohne die Zähne zu fletschen, er besitzt eine dichte, stilisierte Mähne, der Schwanz ist zwischen die Beine gezogen. Das Jesuskind, dessen Arme nur noch in Stümpfen erhalten sind, hat wohl ursprünglich seine rechte Ohrmuschel berührt und damit gezeigt, dass es dem Gebrüll des Löwen unter ihm, dem Symbol für Auferstehung, lauscht.

    Maria steht mit beiden Beinen auf dem Löwen. Die zentrale Partie der Draperie, also der kunstreichen Anordnung der Mantelfalten, wird von den in konzentrischen Kreisen nach unten verlaufenden Faltenbögen beherrscht.

    Der blaue Mantel der Gottesmutter endet etwa in Kniehöhe, darunter wird ein rotes Gewand sichtbar, das deutlich enger anliegend in Richtung des Löwenkörpers abfällt.


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