Aktuelle Exponate

Ein Auswahl unserer aktuellen Exponate


  • Landlibell von Tirol

    Am 23. Juni 1511 wurde von Kaiser Maximilian I. im Einvernehmen mit den Tiroler Landständen das berühmte Landlibell erlassen, jene Verteidigungsordnung des Landes Tirol, die Teil der Landesverfassung war und im Wesentlichen bis ins 20. Jahrhundert Gültigkeit hatte.

    Das Landlibell regelte im Fall einer feindlichen Bedrohung, wie die Verteidigung des Landes Tirol zu geschehen hatte und wer die dafür nötigen Geldmittel aufzubringen hatte. Die wichtigste Bestimmung war die Verpflichtung aller Stände, zur Verteidigung des Landes Kriegsdienst zu leisten, allerdings nur innerhalb der Landesgrenzen.

    Dazu wurden zwei Gruppen aufgeboten: zunächst das Aufgebot, eine Art stehendes Milizheer. Das Aufgebot umfasste zwischen 5.000 bis 20.000 Mann, jedes Landgericht und jede Stadt hatte eine festgelegte Anzahl von Wehrfähigen zu stellen. Zusätzlich gab es im Falle einer plötzlichen Bedrohung von außen den Landsturm, zu dem in einer Art Generalmobilmachung alle Wehrfähigen vom 18. bis zum 60. Lebensjahr eingezogen wurden.

    Für diese Wehrleistung waren die Tiroler aber von jedem Kriegsdienst außerhalb der Landesgrenzen befreit. Darüber hinaus verpflichtete sich Kaiser Maximilian, keinen Krieg ohne Bewilligung der Landstände zu beginnen, der durch oder über Tirol führte.

    Um die selbständige Verteidigung des Landes durch seine Bewohner zu gewährleisten, gewährte Kaiser Maximilian den Tirolern ein einmaliges Privileg: das ständige Tragen von Waffen. Damit gilt das Landlibell vielfach als die Geburtsurkunde des traditionsreichen Tiroler Schützenwesens.

    Das Landlibell wurde immer wieder den geänderten militärischen und politischen Anforderungen angepasst. Während der Zeit der Napoleonischen Kriege zu Beginn des 19. Jahrhunderts kam es zur ersten großen Bewährungsprobe des neuen Verteidigungssystems, die allerdings mit der Niederlage des Tiroler Landsturms unter Andreas Hofer in der 4. Schlacht am Bergisel 1809 endete.

    Nach dem Zusammenbruch der Österreichisch-Ungarischen Monarchie 1918 kam dem Tiroler Schützenwesen keine militärische Bedeutung mehr zu. Die Schützenkompanien haben seither hauptsächlich gesellschaftliche Bedeutung und dienen der Tiroler Traditionspflege.


  • Münzen aus Leoganger Silber

    Die Qualität des im Mittelalter im Leoganger Bergbau zu Tage geförderten Silbers war von hervorragender Qualität und wurde von den Salzburger Erzbischöfen, deren Erzstift Reichsstand und zugleich auch Münzstand des bayerischen Kreises war, zur Prägung von Münzen in Gold und Silber verwendet.

    Das Salzburger Münzwesen um 1500 ist eng mit einem Namen verbunden: Erzbischof Leonhard von Keutschach. Als er kurz vor 1500 an die Macht kam, war das heimische Münz- und Geldwesen total zerrüttet.

    Salzburg besaß riesige Gold- und Silbervorkommen, die zu den größten in Europa zählten. Trotzdem mangelte es im ganzen Land an Münzen, weil beinahe das ganze Edelmetall von einer Handelsgesellschaft nach Venedig verkauft wurde. Seit über 30 Jahren waren keine eigenen Münzen mehr geprägt worden.

    Es kam zwar Geld aus dem Ausland nach Salzburg, dieses reichte aber nicht aus, um die Bedürfnisse der Wirtschaft zu stillen. Leonhard von Keutschach musste handeln. Gegen großen Widerstand der mächtigen Handelsgesellschaft stellte er den Gold- und Silberexport ein. Das Salzburger Edelmetall ließ er fortan zu eigenen Münzen verarbeiten.

    In früheren Jahrhunderten hatte man in Salzburg fast nur kleine Silbermünzen geprägt. Man nannte sie Pfennige. Wenn jemand eine große Summe bezahlten wollte, musste er hunderte oder sogar tausende solcher Pfennige dafür verwenden. Das war sehr unpraktisch. Deshalb nutzten wohlhabende Leute auch Silberbarren oder ausländische Goldmünzen für große Zahlungen.

    Leonhard von Keutschach setzte dem ein Ende. Er führte ein modernes System mit unterschiedlich großen und unterschiedlich wertvollen Münzsorten aus Gold und Silber ein. Pfennige gab es weiterhin. Sie waren das Geld des kleinen Mannes.

    Für mittelgroße Zahlungen war der Batzen sehr beliebt. Ein Batzen hatte den Wert von 16 Pfennigen. Für noch größere Zahlungen konnte man unter anderem Goldgulden verwenden. Ein Goldgulden war so viel wert wie 240 Pfennige. Das entsprach dem Wochenlohn eines Herrenhäuers im Bergbau. Nur wenige Menschen hatten eine solche Goldmünze jemals in der Hand.

    Die berühmteste Münze Leonhard von Keutschachs aber it der Rübentaler, die erste Salzburger Groß-Silbermünze im Wert eines Goldguldens. Der Erzbischof verwendete seine Rübentaler nicht für Zahlungen, sondern als Geschenkstücke. Warum heißt der Rübentaler eigentlich so? Sein Name kommt von der Rübe im Wappen des Erzbischofs. Dieselbe Rübe findet man auch auf allen anderen Münzen von Leonhard von Keutschach.

    In der Salzburger Münze entstanden ab dem Mittelalter hochwertige Medaillen und Münzen, die überall im Reich begehrt waren. Namhafte Medailleure wie Peter und Paul Seel, Philipp Heinrich Müller, Philipp Christoph Becker, Georg Raphael Donner und Generationen der Familie Matzenkopf schufen Medaillen und Münzen, die sich weit über die Grenzen Salzburgs hinaus einen exzellenten Ruf erwarben und auch heute noch bei Auktionen Spitzenpreise erzielen.


  • Kobalt und kobaltblaues Glas

    Von Anfang des 16. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts war Leogang wegen seines Reichtums an Kobalt- und Nickelerzen in ganz Europa berühmt.

    Den Kobalterzen kam hier ab Mitte des 16. Jahrhundert eine besondere Bedeutung zu: in sogenannten Blaufarbenwerken wurde durch Erhitzen der Kobalterze zunächst Zaffer, auch Safflor oder Kobaltsafflor genannt, erzeugt. Zaffer wiederum diente als Grundstoff für die Herstellung von Smalte, einem blauen, pulverartigen Glaspigment. Da sowohl Zaffer als auch Smalte feuerfest waren, wurden die Stoffe zur Blaufärbung von Glas, Porzellan und Keramik, aber auch in Ölfarben verwendet.

    Besonders gefärbtes Glas aus Venedig galt in den deutschsprachigen Ländern Europas ab Mitte des 15. Jahrhunderts als besonderes Luxusgut. Deutsche Handelsherren, wie die Welser und die Fugger, hatten bereits um 1225 in Venedig das Fondaco dei Tedeschi gegründet, zu Deutsch etwa „Der Lagerraum der Deutschen“. Das am Canale Grande direkt neben der berühmten Rialtobrücke gelegene Gebäude wurde zum Umschlagplatz der aus Venedig in die deutschsprachigen Länder exportierten Luxusgüter.

    Da man zur Blaufärbung des Glases in Venedig vermehrt Zaffer und Smalte verwendete, wurde Kobalt aus den Salzburger Lagerstätten ab Mitte des 16. Jahrhunderts zum unverzichtbaren Rohmaterial für venezianisches Luxusglas.

    Der Hinweis auf den Abbau und die Verwendung für Glas findet sich etwa in Georg Agricolas „De re metallica Libri XII“ (1556). Jenem Meisterwerk der Bergbauliteratur, das ebenfalls im Bergbau- und Gotikmuseum Leogang zu bewundern ist.

    Die Farbe Blau erlebte auch in der Malerei einen ungeahnten Aufschwung. Bereits ab dem 12. Jahrhundert erhielt die zunächst dunkle und glanzlose Farbe als Symbol für den Himmel und die Jungfräulichkeit der Muttergottes neue Bedeutung. Glasmacher und Buchmaler bemühten sich, dieses neue Blau mit der veränderten Lichtauffassung, die die kirchlichen Bauherren von den Theologen übernahmen, in Einklang zu bringen. Die Strahlkraft kobaltblau gefärbter Ölfarbe verschaffte den bildenden Künstlern der frühen Neuzeit ganz neue Möglichkeiten.

    Heute kommt Smalte, das kobaltblau gefärbte Glaspulver, vor allem bei der Restauration alter Meisterwerke zum Einsatz.


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