Hoyer Stube
Die lutherische Lehre hatte sowohl unter den Bergknappen als auch unter den kapitalkräftigen Gewerken zahlreiche Anhänger gefunden. Vor einer vom Erzbischof eingesetzten Kommission bekannten sich die Pongauer Protestanten im Juli 1731 offen zur Augsburger Konfession. Diesem Beispiel folgten auch die Pinzgauer Lutheraner, die im Pfleggericht Lichtenberg (Saalfelden), und besonders unter den Bergknappen und Hüttenarbeitern Leogangs, stark vertreten waren. Ihre politischen Führer, die Gebrüder Hans und Bartl Hoyer, brachten Leogang den Ruf ein, der „ärgste Ketzerherd“ zu sein.

Am 11. November 1731 wurde das Emigrationsedikt verkündet, kraft dessen alle diejenigen des Landes verwiesen wurden, die dem evangelischen Glauben angehörten. Von den insgesamt 20.000 Vertriebenen traf das Edikt in der Pflegschaft Saalfelden 646 Personen, wobei die genaue Anzahl der Emigranten aus Leogang nicht bekannt ist. Aufnahme fanden die Salzburger Glaubensflüchtlinge in Ostpreußen und Holland, einige wanderten sogar nach Nordamerika aus. In Preußisch Litauen, dem späteren Regierungsbezirk Gumbinnen, fanden die Vertriebenen schließlich eine neue Heimat. Hans Hoyer, Sprecher der Leoganger Protestanten, erwarb sich große Verdienste um den Aufbau des Schulwesens in Ostpreußen. Auch der 1713 als Sohn eines Leoganger Bergknappen geborene Johann Herzog trat in der neuen Heimat als Lehrer und geistiger Führer der Salzburger Exulanten hervor. Die Glaubensgenossen der Salzburger Protestanten nahmen lebhaften Anteil an deren Schicksal.